Sprachförderung konsequent durchsetzen

Die in Berlin bestehende Kita-Pflicht zur Sprachförderung erweist sich als wenig wirksam. Im Berliner Abgeordnetenhaus setzt sich vor allem SPD-Abgeordneter Joschka Langenbrinck ein, der seit 2011 aus Neu-Kölln direkt gewählt wurde, und fragt die alarmierenden Zahlen bei der Senatsverwaltung nach, die zeigen, dass nur ein Bruchteil der Kinder mit Sprachförderbedarf die Pflicht zum Besuch einer Kita tatsächlich einhalten.

Berliner Sprachfördergesetz faktisch nicht umgesetzt

Die Antworten der Senatsverwaltung zu seinen schriftlichen Anfragen bieten die Basis für die Statistik, die einen großen Missstand in Bezug auf die frühkindliche Sprachförderung offenlegt. Es geht um die faktische Nicht-Einhaltung des Sprachförderungsgesetzes vom 1. April 2008, das in Berlin die verpflichtende Sprachstandsfeststellung von Nicht-Kita-Kindern 18 Monate vor Schulbeginn eigentlich eindeutig festgelegt: Im Fall gravierender Sprachdefizite soll dieses Gesetz zu einer Kitabesuchspflicht führen.

Ergebnisse des Sprachtests sind ernüchternd

Die ersten Sprachtests stammen aus dem Jahr 2009, allerdings wurde inzwischen das Alter für den verpflichtenden Sprachtest um ein halbes Jahr auf das 4. Lebensjahr eines Kindes vorgezogen und zusätzlich die bei festgestellten Mängeln verpflichtende Sprachförderung von 3 auf 5 Stunden täglich und eineinhalb Jahre ausgeweitet. Von den 3005 im Jahr 2018 verschickten Einladungen an Berliner Eltern, deren Kinder keine Kita besuchen, wurde nur bei 651 Kindern (ca. 20%) eine Sprachstandsfeststellung mit dem Testverfahren Deutsch Plus 4 durchgeführt. Von diesen 651 Kindern wurden bei 469 (72%) Kindern ein Sprachdefizit festgestellt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist ein drastischer Anstieg in der Quote der Kinder mit Sprachförderbedarf zu erkennen. Die aus diesem Sprachdefizit resultierende Auflage, eine Sprachförderung in einer Kita in der verbleibenden Zeit vor Schulbeginn in Anspruch zu nehmen, wurde allerdings nur von 56 der 469 Kinder (11%) erfüllt. Alle Zahlen auch im Vergleich zu den Vorjahen können hier heruntergeladen werden: Sprachtest Ergebnisse: Drucksache 18/13 725

Das Verantwortungs-Vakuum zwischen Senat und Bezirken muss ein Ende haben

Dieses Gesetz, für dessen Einhaltung und Umsetzung formal die Bezirke zuständig sind, wird allerdings trotz nachträglich festgelegtem Bußgeldverfahren faktisch nicht umgesetzt. Melanie Kühnemann-Grunow hat sich dazu auch in folgendem Artikel positioniert und klar gemacht, dass dies massive Probleme für die Grundschulen bedeutet.

Wir fordern darum, dass die Senatsverwaltung die Verantwortung für die Durchführung dieses Gesetzes übernimmt. Wir erhoffen uns dadurch, die Bezirke zu entlasten und eine in ganz Berlin einheitliche Umsetzung zu ermöglichen.

Der Senat soll dafür sorgen, dass alle Kinder, die keine Kita besuchen, tatsächlich getestet werden und dass alle Kinder mit Defiziten tatsächlich in einer Kita gefördert werden. Das bedeutet natürlich auch, dass man für diese Kinder bevorzugt Kitaplätze schaffen und bereitstellen muss.

Download: Unser Antrag.